15 Jahre danach: was ist aus der Postmoderne geworden?

Als junger Student habe ich kurz nach der Jahrtausendwende eine Herkules-Aufgabe in Angriff genommen, die eigentlich nur scheitern konnte. Ich habe über das Profil und den Einfluss der sogenannten Postmoderne auf Gesellschaft, Kunst, Kultur und Religion geschrieben. Die Arbeit ist dann 2000 tatsächlich fertig geworden und hat damals in meinen Studentenkreisen einigen Staub aufgewirbelt. Grossen Detailreichtum und Tiefgang konnte man nicht erwarten, dafür die grossen Linien, der rote Faden. Das ist mir mal mehr, mal weniger gelungen. Nun wird die Arbeit immer noch von IGW-Studierenden gelesen, die meinen Postmoderne-Selbststudienkurs belegen. Kürzlich ist mir dabei aufgefallen, wie doch manchen Formulierungen überholt sind, die Zeit sich weiter entwickelt hat. Einiges ist sicher immer noch zutreffend, aber doch haben 15 Jahre ihre Spuren hinterlassen. Damals war „Postmoderne“ ein wichtiges Schlagwort, heute ist es mehr in den Hintergrund geraten. Das heisst nicht, dass damit  auch der Inhalt hinfällig geworden ist. Stichwortartig habe ich für mich mal notiert, was mir an Veränderung aufgefallen ist. Im Laufe dieses Jahres will ich einige dieser neuen Akzente aufgreifen und vertiefen. Wer meinen alten Blog „Lifenavigator“ noch gekannt hat, darf sogar an ein kleines Blog-Revival glauben!


Hier also mal in roher Aufzählung ein paar Charakteristika, die ich mir notiert habe. Ergänzungen und Hinweis sind willkommen:

Im Jahr 2000 sprach man viel von Generationen. Generation X, Y oder Generation Golf. Heute ist zum Beispiel das Konzept der Sinus-Milieus weit verbreitet. Die soziologische Einteilung in Generationen wird der Vielschichtigkeit der Gesellschaft nicht gerecht.

Das Internet wird mobil. Digitalisierung des Alltags. 2007 revolutioniert das Smartphone die mobile Internetnutzung.

2000 war das Internet noch ziemlich eindimensional. Der Surfer besuchte Seiten und schrieb E-Mails. Facebook, Twitter, Blogs sind noch unbekannt. Weitere Stichworte, die seit damals das Netz-Universum prägen: Social-Media, Interaktivität, Medien-Konvergenz

Wir leben nach wie vor in einer ausgeprägten Konsumgesellschaft. Aber auch Gegenbewegungen wie Fairtrade, Bio, Slow Food, “einfacher Lebensstil” gewinnen an Gewicht. Nachhaltigkeit ist ein “Buzzword” geworden.

Der Einfluss des konventionellen Fernsehens hat abgenommen. Neuerungen wie TV on Demand oder Streaming-Dienste wie Netflix, Amazon sind die aktuellen Innovationen. “Ich schaue fern, was und wann es mir passt. ” Ähnliche Entwicklungen erschüttern auch die Musikwelt.

Gesteigerterer Individualismus, sinnbildlich zum Beispiel unter dem Stichwort “Quantified Self” zusammen zu fassen. Alles wird heute vermessen: Puls, Schritte, Kalorien, Schlafphasen. Alles dreht sich um die Optimierung des eigenen Wohlbefindens. Gleichzeitig etabliert sich Sharing, Teilen als neue Antibewegung zum radikalen Individualismus

In diesem Zusammenhang gehören auch die Megatrends “Wellness” und “Outdoor-Sport“. Das war natürlich schon 1999/2000 ein Thema, als ich die Arbeit geschrieben habe, aber in meiner Wahrnehmung haben diese Trends noch an Fahrt gewonnen.

Vor 15 Jahren outete sich  in der Öffentlichkeit nur noch wenige hartgesottene Atheismus. Alles sprach von neuer Spiritualität. Das nehme ich heute anders wahr. Der Atheismus ist wieder erstarkt. Die Esoterik ist immer noch da, die etablierten christlichen Gemeinschaften sind aber mehrheitlich im Rückzug.

2000 war vor 2001. Ganz simpel. 9-11 hat die Welt verändert. Irak, Afghanistan und dann London, Madrid, kürzlich Paris. Auseinandersetzung mit Terror, Islam, Clash of civilisations. Die Auseinandersetzung mit dem Islam, besonders mit radikalen Islamisten hat das Stimmungsbild der letzten 15 Jahre entscheidend geprägt.

 Evangelische Szene: 2000 waren Willow-Creek, Saddleback die grossen Renner. Die letzten Jahren haben „Redding, Hillsong, Emerging Church, Missionaler Ansatz, New Monastiscism, Fresh Expressions, Neo-Calvinism“ die Diskussion angeheizt. Reihenfolge ist zufällig.

So nun habe ich einige Knochen hingeworfen. Ohne innere Systematik und Rangordnung. Vertiefende Beiträge werde ich nicht morgen schon liefern, aber ich habe mir vorgenommen, dass ich mindestens 6 substantiellere Beiträge dieses Jahr aufs Netz werfen will.

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